Konfliktmanagement im Team

Konflikte früh erkennen und lösen, bevor sie Arbeitszeit und Gesundheit kosten
 

Das Wichtigste in Kürze

Konfliktmanagement umfasst alle Maßnahmen, mit denen Konflikte in einem Team oder Unternehmen erkannt, eingeordnet und so bearbeitet werden, dass die Zusammenarbeit erhalten bleibt. Konflikte gehören zur Arbeit dazu. Teuer werden sie erst, wenn sie unbearbeitet eskalieren. Friedrich Glasl beschreibt diese Eskalation in neun Stufen auf drei Ebenen. Auf den ersten drei Stufen können beide Seiten noch gewinnen, dort reicht meist ein moderiertes Gespräch. In der Mitte braucht es eine neutrale dritte Person, auf den letzten Stufen hilft nur noch ein Eingriff von außen. Führungskräfte entscheiden mit ihrem Konfliktstil und ihrer Gesprächsführung darüber, ob ein Konflikt früh geklärt wird oder sich verfestigt. Die PFH AKADEMIE vermittelt die Grundlagen dazu im Fernkurs Konfliktmanagement mit bis zu 6 ECTS-Punkten und in einer Inhouse-Schulung für ganze Führungsteams.

Was Konfliktmanagement bedeutet und warum es Führungsaufgabe ist

Konfliktmanagement bezeichnet den bewussten Umgang mit Konflikten in Organisationen, vom Erkennen einer Spannung über die Diagnose ihrer Ursachen bis zur passenden Intervention und zur Nachsorge. Es ist Führungsaufgabe, weil Führungskräfte Rollen, Prioritäten und Ressourcen festlegen und viele Konflikte genau aus diesen Strukturen entstehen. Ziel ist eine Bearbeitung, die der Zusammenarbeit nützt.

Ein sozialer Konflikt liegt nach Friedrich Glasl vor, wenn mindestens eine Seite eine Unvereinbarkeit im Denken, Fühlen oder Wollen erlebt und sich durch die andere Seite beim eigenen Handeln beeinträchtigt fühlt. Ob ein Konflikt vorliegt, hängt also davon ab, wie die Beteiligten die Lage erleben.

Funktionale und dysfunktionale Konflikte

Die KPMG-Konfliktkostenstudie von 2009 unterscheidet funktionale Konflikte, die dem Unternehmen nützen und sich nicht vermeiden lassen, von dysfunktionalen Konflikten, die ihm schaden und vermeidbar wären. Eine harte Auseinandersetzung über die beste Lösung gehört zur ersten Gruppe. Ein monatelanger Kleinkrieg zwischen zwei Abteilungen gehört zur zweiten.

Viele Konflikte entstehen aus Strukturen, die niemand bewusst gebaut hat, etwa aus doppelten Zuständigkeiten oder widersprüchlichen Zielen. Diese Strukturen kann nur die Führung ändern. Ein Konflikt, den sie ignoriert, bleibt meist bestehen, bis er die Zusammenarbeit spürbar belastet.

Konfliktmanagement in Kürze

Neun Stufen, drei Ebenen

Nach Glasl eskalieren Konflikte über neun Stufen. Auf den ersten drei können noch beide Seiten gewinnen.

50.000 Euro im Jahr

Jedes zweite Industrieunternehmen gibt laut KPMG-Konfliktkostenstudie ungeplant mindestens 50.000 Euro im Jahr für gescheiterte und verschleppte Projekte aus.

Fünf Konfliktstile

Durchsetzen, Nachgeben, Vermeiden, Kompromiss und Kooperation. Keiner ist immer richtig, der bewusste Wechsel je nach Situation entscheidet.

Woran Sie einen Konflikt im Team früh erkennen

Ein Konflikt im Team zeigt sich früh an veränderter Kommunikation. Themen werden umgangen, Absprachen laufen nur noch schriftlich, in Besprechungen schweigen Personen, die vorher mitgeredet haben. Nimmt die Führung diese Signale ernst, reicht meist noch ein einfaches Gespräch. Bleiben sie unbeachtet, braucht der Konflikt später eine neutrale dritte Person.

Glasl nennt die erste Stufe Verhärtung. Standpunkte verfestigen sich, die Beteiligten glauben aber noch, dass ein Gespräch die Sache lösen kann. Hier ist der Aufwand am geringsten und der Hebel am größten. Die Schwierigkeit ist, dass Verhärtung leise ist und sich eher in Nebensätzen und in Ironie äußert.

Signale, die sich beobachten lassen

  • Beteiligte ziehen sich aus dem Austausch zurück, etwa durch kürzere Antworten oder Fernbleiben von Teamrunden.
  • Absprachen werden schriftlich abgesichert, wo vorher ein Zuruf reichte.
  • Fehler werden gesammelt statt angesprochen.
  • Untergruppen bilden sich und sprechen über andere statt mit ihnen.
  • Krankmeldungen oder Versetzungswünsche häufen sich in einem Bereich.

Beobachten Sie Verhalten und beschreiben Sie es, statt Motive zu deuten. Die Feststellung, dass jemand in den letzten drei Runden nichts gesagt hat und Ihnen das auffällt, öffnet ein Gespräch. Die Deutung, dass sich jemand zurückzieht, weil er beleidigt ist, schließt es.

Diese Konfliktdiagnose lässt sich üben. In der Inhouse-Schulung Konfliktmanagement der PFH AKADEMIE ist sie ein eigener Programmpunkt, bearbeitet an Fällen aus dem Alltag der Teilnehmenden.

Was Konflikte ein Unternehmen kosten

Konflikte kosten Arbeitszeit, Gesundheit und Projekte. Die KPMG-Konfliktkostenstudie von 2009 hat 111 Industrieunternehmen befragt. Jedes zweite gab an, für gescheiterte und verschleppte Projekte ungeplant mindestens 50.000 Euro im Jahr auszugeben, jedes zehnte sogar mehr als 500.000 Euro. Die Kosten stehen selten auf einer Rechnung. Sie verteilen sich über Fehlzeiten und verlorene Aufträge.

Die Studie ordnet alle Konfliktkosten neun Kategorien in drei Dimensionen zu. Bei der Person sind das Fluktuation, Krankheit und kontraproduktives Verhalten. Beim Team sind es Kundenfluktuation, Mängel in der Projektarbeit und entgangene Aufträge. Bei der Organisation sind es Über- und Unterregulierung, verbesserungsbedürftige Anreizsysteme und arbeitsrechtliche Sanktionen. Keines der befragten Unternehmen nannte eine weitere Kategorie.

Dazu referiert die Studie Schätzungen aus der Fachliteratur, nach denen 10 bis 15 Prozent der Arbeitszeit in Unternehmen für Konfliktbewältigung verbraucht werden und Führungskräfte 30 bis 50 Prozent ihrer wöchentlichen Arbeitszeit mit Reibungsverlusten, Konflikten oder Konfliktfolgen verbringen. Das sind zitierte Größenordnungen, keine Messwerte aus der Befragung. Die Autoren halten die Einsparung von mindestens einem Viertel der Konfliktkosten für realistisch.

Konflikte als Thema des Arbeitsschutzes

Konflikte als Thema des Arbeitsschutzes

Hinzu kommt die gesundheitliche Seite. Soziale Beziehungen am Arbeitsplatz gehören zu den Faktoren der Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung nach dem Arbeitsschutzgesetz. Ein schwelender Konflikt ist damit auch ein Thema des Arbeitsschutzes, wie der Beitrag über mentale Gesundheit am Arbeitsplatz zeigt.

Welche Konfliktarten im Arbeitsalltag vorkommen

Im Arbeitsalltag lassen sich sechs Konfliktarten unterscheiden, Sach-, Ziel-, Verteilungs-, Rollen-, Beziehungs- und Wertekonflikt. Die Art bestimmt die passende Intervention. Ein Sachkonflikt lässt sich mit Informationen klären, ein Beziehungskonflikt nicht, ein Rollenkonflikt erst, wenn die Zuständigkeiten geändert werden. Die Diagnose vor der Intervention spart deshalb viel Zeit.

Eine gängige Einteilung unterscheidet diese sechs Arten, die oft in Mischformen auftreten.

  • Sachkonflikt. Fakten oder Lösungswege werden unterschiedlich bewertet. Daten und gemeinsame Kriterien klären ihn.
  • Zielkonflikt. Zwei Bereiche verfolgen Ziele, die sich widersprechen, etwa Tempo gegen Qualität. Die Führung muss Prioritäten setzen.
  • Verteilungskonflikt. Es geht um knappe Mittel wie Budget, Personal oder Zeit. Er braucht transparente Regeln.
  • Rollenkonflikt. Zuständigkeiten sind unklar oder überschneiden sich. Klare Rollenbeschreibungen lösen ihn.
  • Beziehungskonflikt. Die Beteiligten empfinden einander als respektlos oder unfair. Nur das Gespräch über die Beziehung selbst hilft.
  • Wertekonflikt. Grundhaltungen prallen aufeinander, etwa zur Erreichbarkeit nach Feierabend. Er lässt sich selten lösen, aber durch Regeln entschärfen.

Konflikte in und zwischen Gruppen

Eine eigene Dynamik entsteht, wenn Gruppen im Konflikt stehen. Zwischen Abteilungen entsteht schnell Lagerdenken. Die eigene Seite wird aufgewertet, die andere abgewertet, Informationen fließen nur noch gefiltert. Einzelne können das kaum lösen, weil jede Annäherung in der eigenen Gruppe als Illoyalität gilt. Solche Konflikte brauchen ein Vorgehen, das beide Gruppen gleichzeitig einbezieht. Der Fernkurs Konfliktmanagement der PFH AKADEMIE behandelt solche Konfliktkonstellationen und die passende Intervention in seinem ersten Modul.

Wie Konflikte nach Glasl in neun Stufen eskalieren

Friedrich Glasl hat 1980 ein Modell mit neun Eskalationsstufen auf drei Ebenen vorgelegt. Auf den Stufen eins bis drei können noch beide Seiten gewinnen. Von Stufe vier bis sechs gewinnt eine Seite auf Kosten der anderen, von sieben bis neun verlieren beide. Mit jeder Stufe sinkt die Chance, dass die Beteiligten den Konflikt allein lösen.

  1. Verhärtung. Standpunkte verfestigen sich, das Gespräch gilt noch als Lösung.
  2. Debatte und Polemik. Es wird argumentiert, um zu gewinnen, nicht mehr, um zu verstehen.
  3. Taten statt Worte. Reden erscheint sinnlos, man schafft Fakten.
  4. Koalitionen und Images. Verbündete werden gesucht, die Gegenseite wird auf ein Feindbild reduziert.
  5. Gesichtsverlust. Öffentliche Angriffe auf die Person, das Vertrauen ist zerstört.
  6. Drohstrategien. Drohungen und Gegendrohungen, im Betrieb etwa mit Kündigung oder Beschwerde.
  7. Begrenzte Vernichtungsschläge. Eigener Schaden wird in Kauf genommen, wenn der Schaden der Gegenseite größer ist.
  8. Zersplitterung. Das Ziel ist, die Gegenseite als System zu zerstören.
  9. Gemeinsam in den Abgrund. Die eigene Vernichtung wird akzeptiert, wenn die andere Seite mit untergeht.
Die neun Eskalationsstufen nach Glasl und wer noch helfen kann
Drei Ebenen, neun Stufen, und ab welcher Stufe eine Führungskraft als Vermittlerin ausscheidet
Ebene 1, Stufen 1 bis 3
Beide Seiten können noch gewinnen
1Verhärtung
2Debatte und Polemik
3Taten statt Worte
Wer hilft
Moderation, auch durch die Führungskraft selbst. Ein vorbereitetes Gespräch reicht meist.
Ebene 2, Stufen 4 bis 6
Eine Seite gewinnt auf Kosten der anderen
4Koalitionen und Images
5Gesichtsverlust
6Drohstrategien
Wer hilft
Prozessbegleitung oder Mediation durch eine neutrale Person ohne Entscheidungsbefugnis. Die Führungskraft, die selbst Partei ist, scheidet als Vermittlerin aus.
Ebene 3, Stufen 7 bis 9
Beide Seiten verlieren
7Begrenzte Vernichtungsschläge
8Zersplitterung
9Gemeinsam in den Abgrund
Wer hilft
Schieds- oder Gerichtsverfahren, zuletzt ein Machteingriff von außen. Formale Verfahren treten an die Stelle der eigenen Bearbeitung.
Je höher die Stufe, desto weniger können die Beteiligten den Konflikt allein lösen. Auf Stufe eins reicht oft ein vorbereitetes Gespräch, ab Stufe drei legt sich fast kein Konflikt mehr von selbst.
Grundlage ist das Phasenmodell der Eskalation von Friedrich Glasl aus dem Jahr 1980. Die Zuordnung der Hilfen folgt Glasls Empfehlung, Moderation auf den Stufen eins bis drei, Prozessbegleitung auf drei bis fünf, Mediation auf fünf bis sieben, Schieds- oder Gerichtsverfahren auf sechs bis acht und Machteingriff auf sieben bis neun. Die Bereiche überlappen sich, die Stufe eines konkreten Konflikts ist eine Einschätzung und keine Messung.

Was das für die Praxis bedeutet

Zwei Personen stehen an einer Fensterfront im Büro und sprechen miteinander

Glasl ordnet den Stufen Interventionsformen zu. Moderation reicht auf den Stufen eins bis drei. Für die Stufen drei bis fünf empfiehlt er Prozessbegleitung, für fünf bis sieben Mediation, für sechs bis acht ein Schieds- oder Gerichtsverfahren und für sieben bis neun einen Machteingriff. Für Unternehmen zählen deshalb vor allem die Stufen eins bis sechs, denn ab Stufe sieben treten formale Verfahren und Eingriffe von außen an die Stelle der eigenen Bearbeitung. Schon ab Stufe vier ist eine Führungskraft, die selbst Partei ist, als Vermittlerin ungeeignet. Ist die Stufe benannt, ist auch klar, ob ein moderiertes Gespräch noch reicht.

Zwei Personen stehen an einer Fensterfront im Büro und sprechen miteinander

Welche Konfliktstile es gibt und wann welcher passt

Menschen reagieren auf Konflikte mit erlernten Mustern. Kenneth Thomas und Ralph Kilmann beschreiben fünf Konfliktstile, Durchsetzen, Nachgeben, Vermeiden, Kompromiss und Kooperation, die sich aus zwei Dimensionen ergeben, der Durchsetzungsfähigkeit und der Kooperationsbereitschaft. Keiner der Stile ist grundsätzlich richtig oder falsch. Konfliktmanagement heißt hier, den eigenen Stil zu kennen und ihn bewusst zu wechseln, wenn die Situation es verlangt.

  • Durchsetzen. Hohe Durchsetzung, geringe Kooperation. Sinnvoll bei Gefahr im Verzug oder unpopulären Entscheidungen. Auf Dauer erzeugt dieser Stil Widerstand.
  • Nachgeben. Geringe Durchsetzung, hohe Kooperation. Passend, wenn die Beziehung wichtiger ist als die Sache. Dauerhaftes Nachgeben kostet Einfluss.
  • Vermeiden. Beides gering. Angemessen bei Nebensächlichkeiten oder wenn Abkühlung nötig ist. Bei wichtigen Themen wächst der Konflikt.
  • Kompromiss. Beides mittel. Schnell und fair bei knapper Zeit, aber beide Seiten bekommen nur einen Teil dessen, was ihnen wichtig ist.
  • Kooperation. Beides hoch. Sucht eine Lösung, die die Interessen beider Seiten erfüllt. Aufwendig, aber bei wichtigen Themen die Strategie mit dem tragfähigsten Ergebnis.

Für Führungskräfte liegt der Wert dieses Modells in der Selbstbeobachtung. Eine Führungskraft, die Konflikte grundsätzlich vermeidet, erkennt darin das Muster, das viele Teamkonflikte erst groß werden lässt. Eine, die grundsätzlich durchsetzt, versteht, warum das Team Probleme nicht mehr meldet.

Wie Ihnen als Führungskraft ein Konfliktgespräch gelingt

Ein Konfliktgespräch gelingt, wenn es vorbereitet ist, beide Seiten zu Wort kommen und am Ende eine überprüfbare Vereinbarung steht. Die Führungskraft beschreibt beobachtbares Verhalten, fragt nach den Interessen hinter den Positionen und hält fest, wer was bis wann tut. Ein Nachgespräch nach einigen Wochen prüft, ob die Vereinbarung hält.

Ein Ablauf in sieben Schritten gibt dem Gespräch Struktur.

  1. Vorbereiten. Fakten sammeln, das eigene Ziel klären, einen ungestörten Rahmen wählen.
  2. Anlass benennen. Sagen, worum es geht, und Beobachtungen schildern statt Bewertungen.
  3. Sichtweisen anhören. Jede Seite schildert ihre Sicht ohne Unterbrechung, die Führungskraft fasst zusammen.
  4. Interessen freilegen. Hinter jeder Position steht ein Interesse, hinter dem Bestehen auf einem Termin vielleicht Verlässlichkeit.
  5. Problem gemeinsam beschreiben. Erst wenn beide Seiten dieselbe Beschreibung akzeptieren, lohnt die Lösungssuche.
  6. Optionen sammeln. Mehrere Möglichkeiten nebeneinanderstellen, bevor eine ausgewählt wird.
  7. Vereinbarung festhalten. Wer tut was bis wann, und wann wird nachgesehen.

Regeln und Grenze

Regeln und Grenze

Ich-Botschaften statt Vorwürfe, keine Schuldzuweisung, Vertraulichkeit über das Gesagte. Die Führungskraft achtet auf die Redeanteile und greift ein, wenn eine Seite die andere abwertet. Dabei ist sie gegenüber ihrem Team nie neutral. Sie hat Weisungsbefugnis, beurteilt Leistung und ist häufig selbst an der Konfliktstruktur beteiligt. Auf den unteren Stufen reicht ihre Rolle trotzdem aus. Sobald das Vertrauen in die Führung selbst beschädigt ist, braucht das Gespräch eine andere Leitung.

Wann Moderation reicht und wann Mediation nötig ist

Moderation reicht, solange die Beteiligten noch miteinander sprechen wollen und der Konflikt auf den ersten drei Stufen steht. Mediation wird nötig, wenn das Vertrauen zerstört ist, die Beteiligten sich gegenseitig abwerten oder die Führungskraft selbst Partei ist. Dann braucht es eine unabhängige und neutrale Person ohne Entscheidungsbefugnis, wie sie das Mediationsgesetz beschreibt.

Das Mediationsgesetz definiert in Paragraf 1 die Mediation als vertrauliches und strukturiertes Verfahren, in dem die Parteien mithilfe eines oder mehrerer Mediatoren freiwillig und eigenverantwortlich eine einvernehmliche Beilegung ihres Konflikts anstreben. Der Mediator ist nach demselben Paragrafen eine unabhängige und neutrale Person ohne Entscheidungsbefugnis, die die Parteien durch die Mediation führt. Die Parteien wählen den Mediator selbst aus, und er vergewissert sich, dass sie freiwillig teilnehmen.

Wer sich Mediator nennen darf

Die Bezeichnung Mediator ist nicht geschützt. Geschützt ist nur der Titel zertifizierter Mediator. Nach der Verordnung über die Aus- und Fortbildung von zertifizierten Mediatoren umfasst die Ausbildung mindestens 130 Präsenzzeitstunden, dazu fünf supervidierte Mediationen, die spätestens drei Jahre nach dem Lehrgang abgeschlossen sein müssen. Ein Seminar oder Fernkurs zum Konfliktmanagement vermittelt Grundlagen der Mediation, aber nicht diesen Titel.

Wirtschaftsmediation meint dieses Verfahren bei Konflikten innerhalb eines Unternehmens oder zwischen Unternehmen, etwa zwischen Abteilungen, zwischen Geschäftsführung und Betriebsrat oder mit Lieferanten. Im Betrieb kommen geschulte Personen aus der Personalabteilung, interne Konfliktlotsen oder externe Mediatoren infrage, sofern sie keinen eigenen Vorteil aus dem Ausgang haben. Im Fernkurs Konfliktmanagement der PFH AKADEMIE ist Wirtschaftsmediation das dritte von drei Modulen.

Dieser Beitrag bietet fachliche Orientierung und ersetzt keine Rechtsberatung. Sobald ein Konflikt arbeitsrechtliche Folgen haben kann, etwa eine Kündigung, gelten Fristen und Formvorschriften, wie der Beitrag zum Kündigungsschutzgesetz für Personaler zeigt.

Wie Sie Konfliktmanagement dauerhaft im Unternehmen verankern

Konfliktmanagement wirkt dauerhaft, wenn es nicht von einzelnen Personen oder vom Zufall abhängt. Dazu gehören eine Regel, dass Konflikte angesprochen werden dürfen, benannte Anlaufstellen, ein bekannter Eskalationsweg und eine Führungsebene, die dieselben Grundlagen kennt. Trainierte Teams können viele Konflikte selbst lösen, bevor die Führung davon erfährt.

Das Erste ist die Kultur. In manchen Unternehmen gilt ein angesprochener Konflikt als Schwäche, in anderen als Beitrag zur Qualität. Der Unterschied entsteht durch das Verhalten der Führung. Das Zweite sind Strukturen. Mitarbeitende müssen wissen, an wen sie sich wenden können, wenn das Gespräch mit der direkten Führungskraft nicht möglich ist. Personalabteilung, Betriebsrat oder interne Konfliktlotsen sind übliche Anlaufstellen. Ein festgelegter Eskalationsweg verhindert, dass ein Konflikt unbemerkt Stufe um Stufe wächst.

Das Dritte ist Qualifizierung. Kommunikation ist im Konfliktfall die eigentliche Intervention. Führungskräfte, die Eskalationsstufen erkennen, ihren eigenen Stil kennen und ein Konfliktgespräch strukturiert führen, verhindern einen Teil der Konfliktkosten. Die KPMG-Studie hält mindestens ein Viertel für einsparbar. Diese Kompetenz lässt sich lernen, auch für eine ganze Führungsebene gemeinsam.

Der Sonderfall unternehmensschädigendes Verhalten

Nicht jeder Konflikt lässt sich durch Gespräche bearbeiten. Mobbing, Sabotage, Diebstahl oder bewusste Regelverstöße sind unternehmensschädigendes Verhalten. Es braucht klare Regeln, dokumentierte Verfahren und Konsequenzen, keine Vermittlung zwischen gleichberechtigten Parteien. Mobbing wie einen gewöhnlichen Beziehungskonflikt zu behandeln, schadet der betroffenen Person.

Welche Weiterbildung Konfliktmanagement auf Hochschulniveau vermittelt

Die PFH AKADEMIE bietet zwei Weiterbildungen an. Der Fernkurs Konfliktmanagement richtet sich an Einzelpersonen, dauert drei Monate, kostet 690 Euro und bringt bis zu 6 ECTS-Punkte. Die Inhouse-Schulung Konfliktmanagement richtet sich an Unternehmen, dauert einen Tag, empfohlen werden zwei, und wird für höchstens zwölf Teilnehmende individuell angeboten. Beide Formate haben keine Zulassungsvoraussetzungen.

Der Fernkurs für Einzelpersonen

Die Inhalte des Fernkurses stammen aus dem Masterstudiengang Wirtschaftspsychologie der PFH Private Hochschule Göttingen. Er besteht aus drei Modulen. Das erste behandelt Konflikt und Kooperation mit Modellen zum Konfliktverhalten und zu Interventionen der Konflikthandhabung. Das zweite behandelt unternehmensschädigendes Verhalten, das dritte Wirtschaftsmediation mit Modellen, Analyse und Maßnahmenempfehlungen.

Der Start ist jederzeit möglich, der Zugang zum Online-Campus folgt in etwa drei Werktagen. Die Bearbeitungszeit beträgt drei Monate, dazu kommen sechs Monate kostenfreie Verlängerung. Wer keine ECTS-Punkte anstrebt, schließt mit unbenoteten Einsendeaufgaben und dem PFH-AKADEMIE-Zertifikat ab. Wer ECTS-Punkte will, schreibt eine Klausur von 90 Minuten, online oder in einem Fernstudienzentrum, und erhält ein Hochschulzertifikat, das die Punkte ausweist. Ob eine andere Hochschule diese Punkte später anrechnet, entscheidet sie im Einzelfall selbst.

Die Inhouse-Schulung für Führungsteams

Die Inhouse-Schulung findet in Ihrem Unternehmen oder in den Räumen der Akademie statt. Die Inhalte reichen von Entstehung und Eskalation über Konfliktdiagnose, die Rolle als Konfliktbearbeiter und Strategien der Konfliktbearbeitung bis zu Kommunikation als Intervention. Gearbeitet wird mit Impulsvorträgen, Übungen, exemplarischen Konfliktfällen und moderiertem Erfahrungsaustausch. Der Preis wird als individuelles Angebot auf Anfrage erstellt.

Welches Format passt, hängt davon ab, ob eine Person vertieftes Wissen aufbauen oder eine Führungsebene gemeinsam dieselbe Sprache lernen soll. Der Beitrag Fernkurs, Seminar oder Inhouse-Schulung im Vergleich ordnet die Unterschiede ein. Alle Weiterbildungen zeigt der Weiterbildungskatalog der PFH AKADEMIE.

Erste Schritte für Ihr Team

Der Einstieg in besseres Konfliktmanagement braucht wenige Schritte, die tatsächlich zu Ende gebracht werden. Beginnen Sie mit dem Konflikt, der gerade am meisten Arbeitszeit bindet, ordnen Sie ihn nach Art und Eskalationsstufe ein und entscheiden Sie erst dann, ob Sie selbst sprechen oder jemanden hinzuziehen.

  1. Bestandsaufnahme machen. Welche Konflikte binden Zeit, wer ist beteiligt, seit wann.
  2. Art und Stufe bestimmen. Sach-, Rollen- oder Beziehungskonflikt, und auf welcher der neun Stufen.
  3. Eigenen Anteil prüfen. Welche Struktur, welche Entscheidung und welcher eigene Konfliktstil haben beigetragen.
  4. Gespräch führen. Auf den unteren Stufen selbst, vorbereitet und in sieben Schritten.
  5. Grenze erkennen. Ist das Vertrauen zerstört oder sind Sie selbst Partei, holen Sie eine neutrale Person hinzu.
  6. Vereinbarung nachhalten. Ein Termin nach einigen Wochen prüft, ob die Absprache hält.

Zwei Muster machen Konflikte größer statt kleiner. Das erste ist das Abwarten in der Hoffnung, dass sich die Sache von selbst legt. Auf Stufe eins stimmt das manchmal, ab Stufe drei fast nie. Das zweite ist das große Klärungsgespräch mit allen Beteiligten ohne Vorbereitung. Es macht den Konflikt öffentlich und treibt ihn eine Stufe weiter. Wer parallel zur Weiterbildung einen echten Fall aus dem eigenen Team mit den Modellen analysiert, überträgt das Gelernte schneller in den Alltag.

Zuletzt aktualisiert am 4. September 2026.

Häufige Fragen

Antworten auf Fragen, die im Team, in der Personalabteilung und in Führungsrunden regelmäßig auftauchen

Konfliktmanagement bezeichnet den bewussten Umgang mit Konflikten in Organisationen. Es umfasst das frühe Erkennen von Spannungen, die Diagnose von Konfliktart und Eskalationsstufe, die Wahl einer passenden Intervention wie Gespräch, Moderation oder Mediation und die Nachsorge. Ziel ist eine Bearbeitung, die die Zusammenarbeit erhält.

Friedrich Glasl beschreibt neun Stufen auf drei Ebenen. Die Stufen eins bis drei heißen Verhärtung, Debatte sowie Taten statt Worte, dort können noch beide Seiten gewinnen. Die Stufen vier bis sechs heißen Koalitionen, Gesichtsverlust und Drohstrategien, dort gewinnt eine Seite auf Kosten der anderen. Auf den Stufen sieben bis neun verlieren beide. Je höher die Stufe, desto eher braucht es Hilfe von außen.

Sprechen Sie beide Mitarbeitenden zunächst einzeln an und beschreiben Sie, was Sie beobachtet haben, ohne Motive zu deuten. Steht der Konflikt noch auf den unteren Eskalationsstufen nach Glasl, führen Sie ein vorbereitetes gemeinsames Gespräch, in dem jede Seite ihre Sicht schildert und am Ende eine überprüfbare Vereinbarung steht. Ist das Vertrauen zerstört oder sind Sie selbst beteiligt, ziehen Sie die Personalabteilung oder eine neutrale Person hinzu.

Moderation strukturiert ein Gespräch zwischen Beteiligten, die noch miteinander reden wollen, und kann von der Führungskraft übernommen werden. Mediation ist nach dem Mediationsgesetz ein vertrauliches, strukturiertes Verfahren, in dem eine unabhängige und neutrale Person ohne Entscheidungsbefugnis die Parteien zu einer eigenverantwortlichen Lösung führt. Mediation passt, wenn das Vertrauen beschädigt ist oder die Führung selbst Partei ist.

Eine neutrale dritte Person ist nötig, sobald die Beteiligten einander abwerten, Verbündete suchen oder mit Konsequenzen drohen, also ab der Mitte der Eskalationsstufen nach Glasl. Extern sollte diese Person sein, wenn im Unternehmen niemand ohne eigenes Interesse am Ausgang zur Verfügung steht. Bei unternehmensschädigendem Verhalten wie Mobbing braucht es klare Verfahren und Konsequenzen statt einer Vermittlung.

Nicht jede Weiterbildung bringt ECTS-Punkte, das hängt vom Anbieter ab. Die PFH AKADEMIE bietet einen Fernkurs Konfliktmanagement mit Inhalten aus dem Masterstudiengang Wirtschaftspsychologie. Er dauert drei Monate mit sechs Monaten kostenfreier Verlängerung, kostet 690 Euro und bringt bei Abschluss mit Klausur bis zu 6 ECTS-Punkte und ein Hochschulzertifikat. Für Führungsteams gibt es eine Inhouse-Schulung von ein bis zwei Tagen mit individuellem Angebot. Zulassungsvoraussetzungen gibt es in beiden Fällen nicht.

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